Sicherheitstreppenräume unter der Hochhausgrenze

Die Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR) regelt Sicherheitstreppenräume in Hochhäusern. Doch wo sind die Vorgaben für Sicherheitstreppenräume unterhalb der Hochhausgrenze (22 m)?

Was ist eigentlich ein Sicherheitstreppenraum? Wann und wozu braucht man diese?
Die Ausführungsverordnung zur Landesbauordnung (LBOAVO) erwähnt Sicherheitstreppenräume nur recht kurz in § 11 Abs. 8 LBOAVO. Der Sicherheitstreppenraum soll dazu dienen, einen fehlenden zweiten Rettungsweg zu kompensieren. Sollte also kein zweiter notwendiger Treppenraum oder keine Rettung über anleiterbare Fenster durch die Feuerwehr möglich/vorhanden sein, dann kann ein Sicherheitstreppenraum dieses Problem lösen. Ein Sicherheitstreppenraum hat natürlich höhere Anforderungen als ein notwendiger Treppenraum.

Ein Sicherheitstreppenraum, z. B. nach der MHHR, hat eine Rauch-Spülanlage mit geregelter Druckhaltung (RDA) oder benötigt offene Zugänge zum Treppenraum im Freien. Bei der RDA handelt es sich um einen Ventilator mit gesicherter Energieversorgung (separate Zuleitung zum Ventilator unmittelbar hinter dem Hauptzähler). Dieser Ventilator muss frische Außenluft in den Treppenraum drücken und über eine Öffnung über das Dach abführen. Die Öffnung im Dach hat z. B. eine selbsttätige Druckregelklappe, welche abhängig vom Druck im Treppenraum öffnet oder schließt. Der Druck wird benötigt um zu verhindern, dass Rauch in den Treppenraum gelangt. Sollte durch die Öffnung von Türen tatsächlich Rauch in den Treppenraum gelangen, so öffnet die Druckregeklappe um eine Durchspülung des Treppenraumes zu bewirken. Dann schließt sie wieder soweit, dass der erforderliche Druck aufgebaut werden kann. Trotz des Drucks müssen die Türen im Treppenraum schließen können.
Die MHHR fordert zusätzlich Vorräume vor den Türen zum Treppenraum und Abströmöffnungen in den Nutzungseinheiten. Diese Vorräume sind als Schleusen zu betrachten, welche eine höhere Sicherheit gegen das Eindringen von Rauch in den Treppenraum ermöglichen. Die Abströmöffnungen unterstützen die Druckhaltung im Treppenraum, damit der Luftstrom bei Öffnung der Treppenraumtüren in die richtige Richtung (heraus aus dem Treppenraum) sichergestellt ist. Alle sicherheitsrelevanten Komponenten müssen mindestens zweifach vorhanden sein.

Viele LBOs erwähnen zwar Sicherheitstreppenräume, geben jedoch keine klare Regelungen zur Ausführung an. Dies hinterlässt viele Planer erst einmal ratlos – andererseits ermöglicht es den Planern mehr Freiheit bei der Ausführung und im eigenen Ermessen den Sicherheitstreppenraum auszuführen. Unterhalb der Hochhausrichtlinie kann daher, je nach Nutzung, Personenzahl, Größe usw., auf Vorräume oder Abströmöffnungen verzichtet werden. Von der Überlegung statt einer RDA eine RSA (Rauch-Spülluftanlage) zu verwenden wird jedoch abgeraten. Denn die RSA kann eine Rauchfreihaltung nicht gewährleisten sondern nur durch die Spülung die Rauchkonzentration stark verdünnen.

Hinweise zu Sicherheitstreppenräumen finden Sie im Einheitsblatt VDMA 24188 oder im Anwenderleitfaden des RDA Arbeitskreises – und natürlich in der MHHR.

Quelle: bauenplus, Jahrgang 2, Heft 2 (März) 2016