Rettungsgeräte der Feuerwehr als Rettungsweg

Die Landesbauordnung (LBO) gibt unter § 15 Abs. 3 bis 5 an, dass Aufenthaltsräume (Büroräume, Räume in Wohnungen, ...) zwei voneinander unabhängige Rettungswege benötigen. Der erste Rettungsweg führt oftmals über einen Flur zu einem Treppenraum. Der zweite Rettungsweg kann über Rettungsgeräte der Feuerwehr führen oder eine weitere Treppe. Als Rettungsgerät gilt hierfür die 4-teilige Steckleiter oder die Hubrettung (auch Drehleiter genannt).
Diese Art der Rettung ist in den meisten Bundesländern nicht auf Personen begrenzt, außer Niedersachsen. Jedoch hat der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) bereits 2000 eine Empfehlung veröffentlicht, welche die Rettung von 10 Personen je Nutzungseinheit über Leitern der Feuerwehr als vertretbar ansieht. Ab 30 Personen sollte ein baulicher Rettungsweg (z.B. eine Treppe) vorhanden sein.
Die Feuerwehr benötigt ca. 3 Minuten zur Rettung einer Person über eine Leiter – bei optimalen Bedingungen! Feuerwehren haben sich teilweise überschätzt und Übungen wurden abgebrochen, weil die Rettung der Personen über eine Leiter zu lange dauerte. Rechnerisch müssten 10 Personen in 30 Minuten gerettet werden können und 30 Personen in 90 Minuten. Dazu kommen Rüstzeiten (ca. 3 Minuten), unvorhergesehene Ereignisse, Personen in Panik oder Höhenangst usw. Es ist ein enormer Kraftaufwand, wenn ein Feuerwehrmann mehrmals eine Leiter hoch- und runtersteigt, denn seine eigene Ausrüstung kann ohne Atemschutz bereits bis zu 15kg betragen, mit voller Ausrüstung 30 bis 40kg.

Zwischen Berufsfeuerwehren und Freiwilliger Feuerwehr muss auch ein Unterschied gemacht werden, denn Berufsfeuerwehren sind oftmals besser ausgebildet und können daher optimale Rettungsraten besser erreichen als die Freiwillige Feuerwehr. Berufsfeuerwehren sind jedoch nur in den größeren Städten, ab ca. 100.000 Einwohner, vorhanden.

Vor wenigen Tagen, am 5. Dezember 2016, veröffentliche das NDR1 einen Artikel über "Ärger mit dem Brandschutz". Dabei ging es um eine Schule in Hannover (Niedersachsen), welche auf Grund fehlendem zweiten baulichen Rettungsweg und der Personenanzahl eine Außentreppe für ca. 55.000 Euro benötigt. Gefordert wurde diese Maßnahme vom Baurechtsamt. Der Brandschutzsachverständige dort sieht die Situation jedoch anders und hat kein Verständnis für die Entscheidung. Die Bauordnung in Niedersachsen (§ 33) lässt eine Rettung von mehr als 10 Personen über Leitern der Feuerwehr nur zu, wenn keine Bedenken diesbezüglich bestehen. Dieses 10 Personen-Limit wurde wohl laut Baurechtsamt überschritten.
Könnte es sein, dass das Baurechtsamt die Rettung pro Person mit 3 Minuten ansetzt und der Brandschutzsachverständige die Empfehlung des DFV mit 1 Minute? Ein großer Unterschied!
Viele Schulen wurden früher großzügig mit offenem Treppenraum und ohne zweiten baulichen Rettungsweg gebaut. Heute ist dies an tausenden Schulen in Deutschland ein Problem. Eine Schule oder Berufsschule gilt in den meisten Bundesländern als "nicht geregelter Sonderbau" daher gibt es oft keine einheitliche Grundlage und Brandschutzmaßnahmen werden nicht selten als übertrieben bewertet.

Hubrettung
Hubrettungsfahrzeug (Quelle: Wikipedia)