Baden-Württemberg ist Holzbau-Pionier

Seit dem 1. März 2015 wird in Baden-Württemberg zugelassen, dass Decken sowie tragende, aussteifende oder raumabschließende Wände und Stützen, die als hochfeuerhemmende Bauteile (F60 nach DIN 4102) oder als feuerbeständige Bauteile (F90) ausgeführt werden müssen, aus brennbaren Baustoffen (z. B. Holz) ohne (nichtbrennbare) Brandschutzbekleidung bestehen dürfen, soweit die jeweilige Feuerwiderstandsdauer trotzdem eingehalten wird. Dadurch wird auch bei Gebäuden über 7 Meter Höhe der Massivholzbau durchgängig ermöglicht, wodurch der Einsatzbereich von Holz als Baustoff deutlich erweitert wurde.
Quelle: Ministerium Baden-Württemberg

Der entsprechende Passus steht in der Landesbauordnung (LBO) unter § 26 Abs. 3:

Abweichend von Absatz 2 Satz 3 sind tragende oder aussteifende sowie raumabschließende Bauteile, die hochfeuerhemmend oder feuerbeständig sein müssen, aus brennbaren Baustoffen zulässig, wenn die geforderte Feuerwiderstandsdauer nachgewiesen wird und die Bauteile so hergestellt und eingebaut werden, dass Feuer und Rauch nicht über Grenzen von Brand oder Rauchschutzbereichen, insbesondere Geschosstrennungen, hinweg übertragen werden können.

Alle anderen Bundesländer dürfen bisher nur hochfeuerhemmend (F60) nach der Muster-Holzbau-Richtlinie (M-HFHHolz-RL) von 2004 bauen, d. h. bis Gebäudeklasse 4. Noch dazu gilt die Verwendung von Holz nur mit (nichtbrennbarer) Brandschutzbekleidung.

In Baden-Württemberg ist ein neuer Holzbau in Gebäudeklasse 5 bisher selten, bei Altbauten jedoch nicht unüblich. Nicht nur die Gesetzesgrundlage verhinderte die Umsetzung von Holzbauten (vor allem in Gebäudeklasse 4 und 5), sondern auch die Kosten machten den Bauherren zu schaffen. Wo bei der Statik von Geschossdecken die Spannweiten von Holz aufhören, kommen Stahlträger und Stahlbeton zum Einsatz. Alternativ sind Verbunddecken (z. B. Stahlbeton oberhalb, Holz unterhalb) möglich. Diese Konstruktion erfordert jedoch das doppelte an Planungsleistung, doppelte Anbindungen an Stützen, doppelte Materialbeschaffung, dazu doppelte Rücksichtnahme bzgl. Durchdringungen, Feuchtigkeit und Schall.
Eine noch größere Herausforderung stellen die allgemein bauaufsichtlichen Zulassungen von Feuerschutztüren (T30, T90), Kabel- und Rohrabschottungen und Brandschutzklappen dar. Die allermeisten Zulassungen und Prüfzeugnisse sind für Trockenbau und Massivbau mit nichtbrennbaren Materialien ausgelegt und geprüft, aber nicht für den Holzbau. Dadurch sind Feuerschutztüren und Brandabschottungen im Holzbau erst einmal nicht einsetzbar. Durch die europäischen technischen Zulassungen (ETA) sind nicht einmal „Zulassungen im Einzelfall“ (ZiE) möglich. Somit sind viele Brandschutzprodukte bzw. Bauarten nicht einsetzbar. Selbst eine ZiE kostet von ca. 500 € bis 30.000 € und gilt nur je Gebäude.
Es gibt also noch viel Potential nach oben und dies gilt besonders auch für die Hersteller von Feuerschutztüren, Kabel- und Rohrabschottungen und Brandschutzklappen.

Die Länder Schweiz, Österreich, Norwegen oder Schweden sind im Wohnungs-, wie im Industrie- und Gewerbebau wesentlich weiter als Deutschland.
Quelle: Forst FNR

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Berner Fachhochschule in der Schweiz (Quelle: Wikipedia.de)