Brandschutz und Massentierhaltung

Im Juni 2016 gab es einen Großbrand in der Schlachterei von Wiesenhof in Niedersachsen. Der Sachschaden der Hähnchenschlachterei liegt bei ca. 300 Millionen Euro. 370.000 Tiere wurden hier pro Tag geschlachtet. In den Nachrichten ging es vor allem um die nun fehlenden Arbeitsplätze, nicht um die Tiere (Quelle: ZEIT-Online).

Die Landesbauordnung (LBO) gibt in § 15 Abs. 1 folgendes an:

Bauliche Anlagen sind so anzuordnen und zu errichten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.

Der zitierte Gesetzestext ist in allen 16 Bundesländern in den Landesbauordnungen enthalten. Diese Grundvorschrift des Bauordnungsrechts gilt als nicht verhandelbar und von ihr sollte weder befreit noch abgewichen werden. Die LBO macht keinen Unterschied bei Menschen und Tieren – die Umsetzung des Gesetzes sieht jedoch meistens etwas anders aus.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hatte im Dezember 2016 einen Forschungsbericht (Nr. 178) über den Brandschutz bei der Massentierhaltung herausgebracht, eine Neuigkeit im Brandschutz!
Nach dem Gesetz ist auch bei der Errichtung von Massentierställen darauf zu achten, dass im Falle eines Brandes prinzipiell alle Tiere gerettet werden können.
Dies bedeutet, dass entsprechend dieser Anforderungen Lösungen ausgearbeitet werden müssen, um alle Tiere rechtzeitig aus dem Gebäude zu bringen oder sich selbst in Sicherheit bringen. Die Lösungen müssen sowohl den baulichen, organisatorischen und anlagetechnischen Brandschutz betreffen.

Nach dem Gesetz gehören land- und forstwirtschaftlich genutzte Gebäude bis zu einer Grundfläche von 1.600qm der Gebäudeklasse 1 an. Die meisten Massentierställe sind jedoch größer und zählen zu den Sonderbauten.
Bei Sonderbauten kann oftmals nicht damit gerechnet werden, dass die Feuerwehr so viele Menschen oder Tiere rettet, deshalb müssen Maßnahmen getroffen werden, wie Menschen und Tiere bei der Ankunft der Feuerwehr das Gebäude bereits verlassen haben.
Die Rettung von Tieren ist jedoch schwieriger als bei Menschen und trotzdem fordert das Gesetz eine Art Gleichberechtigung. Ob dies so richtig ist, darüber lässt sich streiten – jedoch stellt sich generell die Frage, wie Tiere einfach besser gerettet werden können, als bisher. Nur wie? Welche Richtlinie kann hier Hilfestellung geben?

Zu landwirtschaftlichen Betrieben haben in Deutschland nur drei Landesbauordnungen konkrete Angaben an landwirtschaftliche Betriebe: Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern.
Dies wäre eine erste Hilfestellung für andere Bundesländer.
Der Forschungsbericht Nr. 178 liefert Ihnen wertvolle Angaben zu unterschiedlichen Situationen und Tieren. Unter Kapitel 3.1 wird beispielsweise das merkwürdige Verhalten von Hühnern im Brandfall dargestellt. Hühner fühlen sich von Flammen sogar wie angezogen und fliegen hinein. Gruppenbildung ist ein weiteres Problem bei Hühnern.
Der Forschungsbericht liefert Ihnen eine sehr gute Grundlage zur Beurteilung von Sonderbauten, für die bisher keine Regelung vorliegt.

Massentierhaltung
Massentierhaltung (Quelle: Wikipedia)